Saubere Auslegeordnung

Projekt BEEH: Vertiefungsphase hat begonnen

Um gut im Projektfahrplan zu sein, erfüllen die Arbeitsgruppenmitglieder zwischen den einzelnen Workshops immer wieder «Hausaufgaben». So auch Tamara Müller (links im Bild), die für Arbeitsgruppe «Jugend/Alter, Gesundheit/Spitex» zum Thema Gesundheitsversorgung in den vier Projektgemeinden recherchiert hat.

Die Sommergemeinde-versammlungen 2017 gaben grünes Licht, um eine allfällige Fusion von Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen abzuklären. Laut den Gemeinderäten der vier Projektgemeinden stimmt der Zeitpunkt für die Zusammenschlussabklärungen, weil das Projekt von vier ebenbürtigen Partnern angegangen wird, in keiner der beteiligten Gemeinden ein Leidensdruck besteht und somit ein freier, ergebnisoffener Entscheid möglich ist. Projektberater Jean-Claude Kleiner: «Es geht beim Projekt BEEH nicht darum, Argumente für eine allfällige Fusion zu sammeln, sondern um eine saubere Auslegeordnung mit Chancen und Risiken.»

Wie diese Auslegeordnung passiert, veranschaulichte der dritte Workshop der acht Facharbeitsgruppen beispielhaft. Er fand am 5. April in Hornussen statt. In der Arbeitsgruppe «Jugend/Alter, Gesundheit/Spitex» unter der Leitung der Elfinger Gemeinderätin Susanne Trefzer galt es etwa, das Gesundheits- und Spitexangebot in den vier Projektgemeinden unter die Lupe zu nehmen und zu beurteilen, wo im Fall eines Zusammenschlusses von Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen diesbezüglich Chancen und Risiken bestünden. Um zügig voranzukommen, hatte die aus dem Baselbiet nach Bözen zugezogene Tamara Müller vorgängig zum Thema Gesundheitsversorgung recherchiert. Die von ihr zusammengetragenen Fakten wurden punktuell ergänzt, hatte doch fast jedes Arbeitsgruppenmitglied noch einen «Gesundheits-Geheimtipp» auf Lager. Augenfällig war, dass ein Hausarzt innerhalb der Projektgemeinden praktiziert, für alle weiteren schulmedizinischen Belange jedoch Ärzte in Frick oder der weiteren Umgebung konsultiert werden müssen. Mit komplementärmedizinischen Angeboten hingegen ist man in den Projektgemeinden bestens bedient: Ob Naturheilpraxis, Ernährungsberatung oder therapeutisches Reiten – die Palette ist gross. Schliesslich waren sich die Arbeitsgruppenmitglieder einig: Ein allfälliger Zusammenschluss hätte auf das bestehende Gesundheitsangebot keinen Einfluss, könnte mit vereinten Kräften lediglich erweitert werden. Zum Beispiel mit einem regelmässig stattfindenden Gesundheitstag für die gesamte Bevölkerung oder einer zentralen Informationsplattform zu gesundheitsrelevanten Themen und entsprechenden Anlaufstellen.

Empfehlung zu den Schulstandorten folgt

Bei aller Ernsthaftigkeit der Themen tut es jeder Arbeitsgruppe – wie hier den Mitgliedern der Arbeitsgruppe «Schulwesen, Standorte/Organisation» gut, zwischendurch auch herzhaft lachen zu können.

Iris Schütz, Gemeinderätin von Effingen, leitet die Arbeitsgruppe «Schulwesen, Standorte/Organisation». Diese befasste sich am 5. April mit Schulstandort-Varianten. Aktuell gibt es in den Projektgemeinden deren drei: In Bözen gehen rund 65 Kinder aus den Gemeinden Elfingen und Bözen zur Schule. In Effingen besuchen rund 55 Schülerinnen und Schüler Kindergarten und Primarschule, in Hornussen um die 80. Die Schulen Effingen und Hornussen haben mit Brigitt Stettler eine gemeinsame Schulleitung sowie ein Schulsekretariat. Änderungen an diesem System wären bei einem Gemeindezusammenschluss nicht zwingend, aber möglich. Das verdeutlichte der breitgefächerte Kriterienkatalog zu den Schulstandorten, den die Arbeitsgruppe entwickelt hat und der nun auf die nächste Sitzung verdichtet wird. Letztlich sollen maximal zwei Varianten zur Empfehlung ausformuliert werden. Spannend war das Abwägen von Chancen und Risiken rund ums Schulwesen im Blick auf die Schulsozialarbeit. Dazu arbeiten die Schulen der Projektgemeinden bereits zusammen und werden bei den jeweiligen Gemeinderäten insgesamt ein 80-Prozentpensum dafür beantragen. Reiner Hohfelser, Schulleiter von Bözen: «Wären wir eine Gemeinde, bräuchte es zu diesem Thema den Entscheid eines Gremiums. Das wäre grundsätzlich einfacher. Doch die Sache zeigt auch, dass wir wichtige Themen auch gemeinsam anpacken, wenn jede Gemeinde für sich entscheiden muss.»

Stets ein Dafür und Dawider
Ähnlich ergebnisoffen tönte es im abschliessenden Plenum der gegen 100 Mitwirkenden am Projekt BEEH. Ralph Mettier von der Arbeitsgruppe «Raumordnung, Bau- und Nutzungsordnung (BNO)»: «Es müssten sich auch bei einem Zusammenschluss nicht alle Projektgemeinden in die gleiche Richtung entwickeln, sondern jeder Ortsteil dürfte seine Qualitäten herausschälen.» Oliver Kohli von der Arbeitsgruppe «Energie, Wasser/Abwasser, Werkhof»: «Beim Abwasser beispielsweise stehen bei allen Projektgemeinden grössere Investitionen an. Diese Herausforderungen bleiben, Fusion hin oder her.» Andreas Thommen, Arbeitsgruppe «Ortsbürgergemeinden, Forst/Landwirtschaft»: «Bezüglich Forstwesen kann bei einer möglichen Fusion der Status quo in der Zusammenarbeit mit den Forstbetrieben Laufenburg beziehungsweise Homberg-Schenkenberg beibehalten werden. Genauso kann ein Zusammengehen ins Auge gefasst werden.» Schliesslich Giovanni Carau, Leiter der Arbeitsgruppe «Finanzen, Liegenschaften»: «Mit den bestehenden Liegenschaften wäre eine Fusion möglich. Langfristig müssten jedoch ein Standort für die Verwaltung und ein Standort für den Werkhof in die Planung einfliessen. Solche Entscheidungen sind natürlich mit emotionalen Aspekten behaftet.»

Kopf, Hand und Herz entscheiden
An diese Gefühlsaspekte erinnerte der Gastgeber des dritten BEEH-Workshops, Hornussens Vizeammann Guy David, bereits in seinem Eingangsvotum. «Bei der letzten Fusionsabstimmung gingen die Emotionen hoch. Viele fürchteten den Verlust der Gemeindeautonomie. Diese Ängste müssen wir auch in diesem Projekt ernstnehmen und in unsere Beurteilung einfliessen lassen.» Guy David rief darum alle Mitwirken auf, mit offenem Ohr unterwegs zu sein: «Wir müssen die Anliegen der Bevölkerung abholen, egal ob beim Einkaufen, beim Spazieren oder beim Grillieren; im Verein, beim Seniorenausflug oder bei der Bundesfeier.»  cf

Geschrieben am 6. April 2018. Eingetragen unter Allgemein.
 

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Ein Kommentar

Es macht den Anschein, als ob diesmal am Zusammenschluss-Vorabklärungsprojekt seriös gearbeitet wird. Der schwierigste Teil wird allerdings noch kommen.
Allerdings: ein 80% Pensum für Sozialarbeit? Das ist viel zu hoch – höchstens die Hälfte dürfte das sein.