«Zäme HEBE»

Erste Arbeitssitzung des Projekts BEEH in Bözen

Marc O. Schmellentin von der Gemeindeabteilung des Departements Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau war am 6. Februar zu Gast im Projekt BEEH.

«Nicht die Fusion unserer Gemeinden bedeutet ein Erfolg des Projekts, sondern die richtige Zukunft für alle in unserer Talschaft ist das Ziel». Mit diesen Worten wurden die gegen 100 freiwillig Engagierten bei den Zusammenschlussabklärungen von Bözen, Effingen, Elfingen und Hornussen von Gemeindeammann Robert Schmid zur ersten Arbeitssitzung des «Projekts BEEH» in Bözen willkommen geheissen.

Robert Schmid unterstrich sein Votum mit einem Motto, das er dem Hornusser-Skilager entlehnt hatte «zäme HEBE» und meinte: «Diese Botschaft der jüngeren Generation kann auch für unser Projekt Richtschnur sein.» Überhaupt waren «die Jungen» bei dieser ersten Arbeitssitzung zum BEEH-Projekt wiederkehrendes Thema. Projektbegleiter Jean-Claude Kleiner: «Ich erinnere mich an die Grossfusion im Kanton Glarus. Dort war es letztlich die jüngere Generation, die sich vehement für eine Reduktion der einst 25 auf heute drei Gemeinden stark gemacht hat.» Susanne Trefzer, Leiterin der Arbeitsgruppe «Jugend/Alter, Gesundheit/Spitex», sagte in der abschliessenden Präsentation ihrer Sitzungsergebnisse: «Wir haben heute Abend die Schwerpunkte Jugend und Jugendpolitik unter die Lupe genommen und dabei festgestellt, dass in keiner der Projektgemeinden ein Jugendkonzept besteht. Bei einem allfälligen Zusammenschluss wäre eine gemeinsame Stossrichtung wichtig.» Susanne Trefzer musste aber auch zugeben: «Letztlich konnten wir uns die Bedürfnisse der Jugend lediglich vorstellen, denn in unserer Gruppe fehlt noch eine Vertretung dieser Zielgruppe.»

Die richtige Flughöhe
Bei praktisch allen Fachgruppen zeigte sich nach dieser ersten Arbeitsrunde, dass sie bis zum nächsten Workshop weitere Fakten zusammentragen oder Fachpersonen für vertiefte Ausführungen zu einem Aspekt suchen wollen. So zum Beispiel Roger Frey, Leiter der Arbeitsgruppe «Energie, Wasser/Abwasser, Werkhof», der sich für seine Arbeitsgruppe ein Referat zur zeitgemässen Wasserversorgung wünscht. Oder die Arbeitsgruppe «Raumordnung, Bau- und Nutzungsordnung (BNO)», deren Leiter Ralph Mettier zuerst eine mögliche Entwicklung der Region aufzeigte und aufgrund dieser Perspektiven folgerte: «Um uns ein noch besseres Bild machen zu können, organisieren wir bis zur nächsten Sitzung Zonenplan-Karten, Planungsberichte oder eine Darstellung der demografischen Entwicklung in den beteiligten Ortschaften.» Projektberater Jean-Claude Kleiner seinerseits wies auf die richtige Flughöhe hin, auf der sich die Arbeitsgruppen finden müssen, damit die komplexe Thematik erfolgreich in Angriff genommen werden kann. Er zitierte den Essayisten Anselm Vogt: «Der Pedant wirft uns vor, ein Detail übersehen zu haben. Doch nur durch die Bereitschaft zu übersehen, gewinnen wir Übersicht.» Jean-Claude Kleiner: «Es geht im Moment nicht darum, im Werkhof jede Schraube zu zählen. Denn bildlich gesprochen bewegen wir uns aktuell auf fünf- bis zehntausend Metern Flughöhe.» Hier geht es erst um eine Prüfung der Fusion, deren Ausgangslage, Ausgestaltung, Chancen und Risiken sowie deren Botschaft.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe Ortsbürgergemeinden, Forst/Landwirtschaft erfuhren, dass, gestützt auf das geltende kantonale Gemeindegesetz, bei einem Zusammenschluss von Einwohnergemeinden der Grosse Rat zugleich die entsprechenden Ortsbürger zu einer Ortsbürgergemeinde vereinigt. Die Ortsbürgergemeinden ihrerseits können sich aber auch mit den entsprechenden Einwohnergemeinden vereinigen, wenn beide Gemeinden – also die Ortsbürger- als auch die Einwohnergemeinde – dies so beschliessen und der Grosse Rat die Genehmigung erteilt.

Kopf, Portemonnaie und Herz
Letztlich werden Zahlen und Fakten den Entscheid Richtung Zukunft der Projektgemeinden genauso beeinflussen wie das Emotionale. Gut zeigte sich dies in der von Beginn weg rege debattierenden Arbeitsgruppe «Ortsbürgergemeinden, Forst/Landwirtschaft». Die Ortsbürger waren Schwerpunktthema des Abends und Gruppenleiter Andreas Thommen lud die Mitwirkenden einleitend ein, deren Motivation zum Mitwirken bei den Zusammenschlussabklärungen auszudrücken. Christian Bossart senior, langjähriger Gemeinderat und Ortsbürger von Effingen sagt: «Ich will nicht zulassen, dass alles, was unsere Vorfahren aufgebaut und gepflegt haben, in einen Topf kommt und Bach ab geht.» Verena Erb, während zwei Jahrzehnten im Bözer Gemeinderat und als Gemeindeammann aktiv sowie Ortsbürgerin meinte: «Ich finde, dass nicht alle auf Anhieb Juhui-Sagen müssen zu einer Fusion. Mir geht es vielmehr darum, in diesem Prozess griffige Argumente zu sammeln. Insbesondere die Ortsbürger sollen wissen, welche Möglichkeiten sie im Rahmen einer allfälligen Fusion haben.» Dazu konnte der Gast in der Arbeitsgruppe, Marc O. Schmellentin von der Gemeindeabteilung des Departements Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau, aus erster Hand Auskunft geben. Er erklärte gestützt auf das geltende kantonale Gemeindegesetz, dass bei einem Zusammenschluss von Einwohnergemeinden der Grosse Rat zugleich die entsprechenden Ortsbürger zu einer Ortsbürgergemeinde vereinigt. Die Ortsbürgergemeinden ihrerseits können sich aber auch mit den entsprechenden Einwohnergemeinden vereinigen, wenn beide Gemeinden – also die Ortsbürger- als auch die Einwohnergemeinde – dies so beschliessen und der Grosse Rat die Genehmigung erteilt. Im Projektraum «BEEH» wären es also die Ortsbürger von Effingen, Elfingen und Bözen, welche betroffen wären. In Hornussen existiert keine Ortsbürgergemeinde mehr.

Es darf gelacht werden
Bei aller Ernsthaftigkeit in den Diskussionen zeigte sich zum Schluss der Versammlung einmal mehr, dass die Grundstimmung der am Projekt Beteiligten durchwegs heiter ist. So hatten Leiter Markus Steinhardt und Mitglied Richard Frey während der Präsentation aus der Arbeitsgruppe «Name, Wappen, Ortsteile, Postadresse, Vereine/Kultur» die Lacher auf ihrer Seite. Waren sie doch bei ihrer ersten Sitzung äusserst kreativ und machten sich bereits Gedanken zu einem Namen für eine allfällige neue Gemeinde: Wolkenfrei, Sonnengruss, Adelbär, Ammonik, Traubenpark oder Rebtal wurden genauso vorgestellt wie «Hebe» – in Anlehnung an die Anfangsbuchstaben der Projektgemeinden und die den Abend einleitenden Worte «zäme HEBE». Egal ob auf die geografische Lage bezogen, unter geschichtlichen Aspekten gewählt oder als Wortspiel: «Schön und gut» soll der Name letztlich sein. pd

Medienberichte zu den BEEH-Workshops finden sich in der Rubrik «Medien»

Geschrieben am 7. Februar 2018. Eingetragen unter Allgemein.
 

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